Samstag, 13. Juni 2015

Färbungen mit der blauen Klitorie

Blaue Klitorie?

Ja, die blaue Klitorie ist auch unter den Namen "Clitoria ternatea", Schmetterlingserbse oder Schamblume bekannt. Sie wächst hauptsächlich in Thailand und wird dort schon seit Jahrhunderten zum Färben von Speisen und Stoffen genutzt. Manchmal ist sie aber auch in unseren Breitengraden als Zierpflanze zu finden. Bekannt ist auch der blaue Tee, der aus dieser Pflanze hergestellt wird. Im thailändischen wird sie Anchan genannt.

Auffällig an dieser Pflanzen ist zum einen die blaue Blüte und die Form der Blüte. Schaut man sich die Blüte an, weiss man woher der Name kommt.

Bildquelle: www.wikipedia.de
Aber zum Eigentlichen....
Wie mittlerweile nicht anders zu erwarten enthält die Blüte neben verschiedenen Farbstoffen auch einen blauen Farbstoff. Welche das sind bin ich mir noch nicht sicher. Wenn jemand von euch Informationen dazu hat, würde ich mich freuen wenn er sie hier mitteilt. Jedenfalls reagieren sie auf unterschiedliche pH-Werte mit entsprechender Farbänderung. Bei neutralen und basischem Wert ergibt es einen blauen Farbton, bei saurem Wert einen violetten.



Ich habe mir die Mühe gemacht und mir ein paar getrocknete Blüten besorgt. Garnicht so einfach und günstig bei uns hier in Deutschland.

getrocknete Blüten der Clitoria ternatea
Die Blüten habe ich für eine Stunde ausgekocht und anschliessend abgeseiht. Der zurückgebliebene Sud hatte ein sehr tiefes Blau. Auf dem Bild kommt das trotz des weissen Hintergundes nicht wirklich zur Geltung.
Auffällig beim Auskochen war auch der Geruch nach Popcorn.

Färbesud, gewonnen aus der Clitoria ternatea

Gefärbt habe ich für 1 Stunde bei 90-95°C auf ein einfädiges weisses Wollgarn. 3 Färbungen wurden durchgeführt mit jeweils 100g Blüten auf 100g Wolle.
1 x ungebeizt, 1 x Alaunbeize (10% Kaliumaluminiumsulfat) und 1 x basische Alaunbeize (20% Kaliumaluminiumsulfat und 10% Natriumcarbonat).


Wer jetzt allerdings ein blaues Ergebnis erwartet, den muss ich enttäuschen. Wie erwartet hat die ungebeizte Wolle so gut wie keine Farbe angenommen, die alaungebeizte Wolle hat ein helles Grün angenommen und die basisch gebeizte Wolle ein Petrol.
Das passende Bild dazu werde ich noch nachreichen, da die Wolle zur Zeit noch trocknet. Außerdem habe ich noch einen 2.Zug im Färbebad mit jeweils einer Zugabe von 15% Kochsalz (bezogen auf das Trockengewicht der Wolle).

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Wie versprochen noch ein Bild von den fertig gefärbten Garnen. Da es immer zu Abweichungen in den Farbdarstellungen der einzelnen Bildschirmen kommt, habe ich eine RAL-Farbkarte genommen um die Farben zu beschreiben:
Von links nach rechts:
helles weissgrün (ungebeizt), dunkles blassgrün (Alaunbeize), resedagrün (basische Alaunbeize), ungefärbt, helles weißgrün (ungebeizt+Kochsalz), schilfgrün (Alaunbeize+Kochsalz), patinagrün (basische Alaunbeize+Kochsalz).
Mit dem petrol, wie ich weiter oben schon mal geschrieben hatte, wurde das nichts. Wie das halt so ist, wenn die Farbe sich noch ein wenig beim Trocknen ändert....
Die Geschichte mit dem Kochsalz habe ich gemacht, da ich auf den verschiedenen thailändischen Seiten immer wieder gelesen habe daß man Kochsalz zugeben soll. Was das bringen soll weiss ich auch nicht und bis auf die Färbung auf dem alaungebeizten Garn hat es auch nicht wirklich irgendetwas gebracht.
Aber ggf. ist das bei Färbungen auf pflanzlichen Fasern wieder anders.



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Zu guter Letzt habe ich aber noch eine Frage an euch:

Habt ihr (die Teilnehmer des Pflanzenfarben 2015 - Blogs) Interesse daran auch einmal mit der blauen Klitorie zu färben? Ich würde für jeden Interessenten von euch 200g getrocknete Blüten besorgen und auf meine Kosten zur Verfügung stellen. Färben könnt ihr dann damit wie und was ihr wollt. Die einzige Bedingung, die ich daran knüpfe ist, daß ihr mir anschließend ein Muster eurer Färbung zukommen lasst (bei Garn z.B. ein 2m Stück, oder bei Stoff ein Stück von 15x15cm) und das jeweilige Beiz und Färberezept hier für die Allgemeinheit zur Verfügung stellt.


Grüße
Stefan

Freitag, 5. Juni 2015

Probefärbung: Padouk

Als Teilnehmerin am diesjährigen Pflanzenfarben-Projekt habe ich mich für eine Färbung mit Padouk eingetragen. Padouk ist ein Holz, das ich in Form von feinen Spänen von einem Drechsler bekommen habe. Im Wikipedia-Eintrag zu diesem Holz gibt es keine Angaben zu Färbeeigenschaften, es wird jedoch die botanische Verwandtschaft zu Sandelholz erwähnt und von Sandelholz wissen wir, dass es färbt. Und ich wollte mich gern auf den Drechsler verlassen, der mir ja die Späne mit dem Hinweis "Damit kann man färben." überlassen hatte.

Von meinen Padoukspänen habe ich 30g abgezweigt, um eine Probefärbung durchzuführen. Die Späne sind kräftig weinrot und erinnern an die Farbe von Rotholz, mit dem ich bereits einmal gefärbt habe. Deshalb war ich davon ausgegangen, dass die Färbung in diese Richtung gehen würde. Aber meine erzielte Farbe ist die einer reifen Aprikose:



Ich habe 30g Späne ca. 6 Std. eingeweicht, 1 Std. ausgekocht, über Nacht auskühlen lassen und erst dann abgeseiht. Die Späne habe ich in einen Färbebeutel eingebunden. Er war bei allen drei Färbungen mit in der Flotte.

Ich habe allerdings nicht mit der Finkhofwolle gefärbt, sondern mit einer anderen etwas dünneren Schurwolle, die mit 10% Alaun und 7% Weinstein gebeizt war.

Im Bild sind drei 50g-Stränge zu sehen, die ich in drei Zügen gefärbt habe. Der erste Zug, unten im Bild, hat einen leichten Graustich, was womöglich daher rührt, dass die Flotte einmal mehrere Minuten während ich unaufmerksam war, zu heftig gekocht hat. Der zweite Zug, oben links, gefällt mir besser. Der Farbton ist praktisch gleich kräftig aber klar. Der dritte Zug ist dann eher hell ausgefallen (heller als auf dem Foto erkennbar) und leicht unregelmäßig, was wahrscheinlich durch den Kontakt mit dem Färbebeutel kommt, den ich zum Schluss nicht mehr ausreichend bewegt habe.

Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit dem Ergebnis, zumal diese Aprikosenfarbe ein Farbton ist, den man nicht so oft erzielt - meines Wissens jedenfalls. Ich denke auch, dass meine Padoukspäne für die geplante Menge Wolle ausreichen werden.

Hintergrundinformationen über die Färbedroge gibt es später; vielleicht finde ich ja in der Zwischenzeit noch etwas mehr über Padouk heraus. Hinweise sind willkommen.