Sonntag, 28. August 2016

Die Blaue Klitorie - Sandra`s Versuch

Es ist an der Zeit, über meinen Färbeversuch mit der Blauen Klitorie zu berichten:

Netterweise bekam ich die getrockneten Blüten von Stefan zur Verfügung gestellt; vielen Dank!!

Ich habe mir im Voraus eher viele Gedanken zum Färben gemacht, was nicht unbedingt meiner sonst üblichen eher intuitiven Art entspricht. Ich habe mir überlegt -da die blaue Klitorie ja aus Thailand kommt- welche Textilien man dort trägt und verarbeitet. Ich konnte leider nicht viel dazu finden im Netz und bin davon ausgegangen, dass es eher Seide und Baumwolle sein wird wie in anderen asiatischen Ländern als Wolle.

Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, eine Wolle-Seide-Mischung für meine Färbung zu verwenden, in der Hoffnung, dass man den Farbunterschied im Faden sehen kann. Letztendlich habe ich mich für Fasern vom Spycher-Handwerk entschieden; das Verhältnis beträgt 80% Merinowolle zu 20% Seide.

Ich habe ja von Hand versponnen und war bisher gewohnt, dass die Seide sich zu Streifen im Garn sammelt; diesmal war der Kammzug aber so fein gemischt worden, dass die Seide nicht mehr optisch sichtbar ist.

Dann habe ich mir die verschiedenen Blütenfärbungen bei Dorothea Fischer angeschaut und verglichen und gefunden, dass die Färbung mit Ackerritterspornblüten wohl am ähnlichsten ist zu meinem Vorhaben, darum habe ich mich an diese Vorgaben gehalten.

Mengenverhältnis: 200 gr Garn auf ca. 225 gr Klitorienblüten.

Beize: 15% Alaun -> 30 gr Alaun auf 200 gr Wolle während einer Stunde, danach im Topf auskühlen gelassen.

Die Blüten habe ich am nächsten Tag mit heiss Wasser überbrüht; 5 min ziehen gelassen und danach abgeseiht und ausgedrückt. Anders als im Rezept habe ich die Blüten nicht mehr zugegeben zum Färben!

Bemerkenswert fand ich, wie leuchtend blau mein Abseihtuch wurde von diesem ersten Farbkontakt.


Dann habe ich kaltes Wasser zugegossen und die Wolle eingelegt.
Danach erhitzt auf 80°C; die ich dann 1 Stunde gehalten habe. Die Wolle habe ich immer wieder leicht gewendet.

Ich habe die Wolle dann ein wenig auskühlen lassen, aber nicht vollständig und danach herausgefischt, ausgedrückt und abtropfen lassen; danach aufgehängt zum trocknen.
Angeblich sollen sich manche Farben dadurch besser fixieren; ich habe aber natürlich keinen Vergleich.

Ähnlich wie bei manchen Rotfärbungen wirkte das Garn im Topf enorm viel satter an Farbe als später ausgedrückt oder getrocknet.

Aus Neugier habe ich dann noch einige Baumwoll-Stoffstreifen (15 gr Soda auf 100 gr Baumwolle) gebeizt und zusammen mit den Blüten nochmal erhitzt und eine Stunde bei 80°C gehalten.
Auch diese habe ich erst trocknen gelassen und dann erst gespült.
Der Farbunterschied ist auch hier enorm nach dem Waschen.


Baumwollstreifen: Links ungewaschen; trocken. Rechts gewaschen, noch nass.


Wolle: links gewaschen; rechts ungewaschen.
Das Waschwasser war in einem herrlichen Zyanblauen Farbton, fast zu schade es wegzuschütten.
Ungewaschen war die Wolle noch deutlich blauer, wenn auch eher blaugrau. Gewaschen tendiert sie eher etwas zu grün. Ich bin aber etwas unschlüssig, wie ich diesen Farbton nennen soll.


Baumwollstreifen und Abseihtuch. Von links nach rechts: gewaschen, ungewaschen, ungewaschen.


Farbvergleich Baumwolle und Wolle. Von links (gewaschen) nach rechts (ungewaschen).

Es war eine unglaublich spannende Färbung, wenn auch mit etwas Wehmut verbunden, als sich die satte blaue Farbe wieder verabschiedete....

Eine Frage ist bei mir noch offen und zwar fand ich den Duft der blauen Klitorie sehr intensiv und vorallem sozusagen gleich wie andere Pflanzen die blau färben, wie der Färberwaid. Ich frage mich nun, ob sich in der tiefblauen Färbeflotte, die so schlecht aufzieht evt. noch Indigo versteckt sein könnte.

Mittwoch, 27. Januar 2016

Pflanzenfarben 2016?

Ich frage jetzt einfach mal in die Runde ob das Interesse eurerseits besteht,  auch 2016 an dem Projekt weiter zu arbeiten.
Das kann auch gerne anders ablaufen als bisher, wobei ich noch keine konkreten Ideen dazu habe.

Meinungen und Vorschläge nehme ich gerne entgegen.

btw:
Weiss jemand von euch wer sich diese Blogadresse (bzw. den Blog) hat reservieren lassen?
pflanzenfarben.blogspot.de

Ich würde die Adresse gerne übernehmen, kann aber keinerlei Informationen zum Inhaber ausfindig machen.


Grüße
Stefan

edit:
Vielleicht hätte ich eine Idee, erstmal nur so ins Grobe gedacht...
Das funktioniert natürlich nur solange wie Leute mitarbeiten und mir das vom Arbeitsaufwand her nicht über den Kopf steigt.
Ich würde mich dazu bereit erklären eine Fundus von pflanzlich gefärbten Garnen zu verwalten. Wer zuviel gefärbt hat kann diese mit in den Fundus einbringen (inkl. einem Färbebericht der hier veröffentlicht wird) und erhält im Gegenzug dafür die gleiche Menge Garn aus einer anderen Färbung aus dem Fundus.

Sonntag, 17. Januar 2016

Kommen wir zum Abschluss....

Hallo Katja, Saskia, Beate und Sandra


Leider fehlen mir noch immer 2 Pakete. Aber ich denke daß wir lange genug gewartet haben. Ich werde diese Woche das Garn aufteilen und euch zuschicken.

Schade, Schade aber wir können es nicht ändern.


Grüße
Stefan

Montag, 7. Dezember 2015

Bitte schickt mir doch Eure Pakete zu...

Hallo Ihr Färberinnen

Ich habe bisher erst von Katja und Saskia die Pakete erhalten. Deshalb wollte ich euch nochmal vorsichtig dran erinnern.
Wäre doch schön wenn wir das bis Weihnachten noch über die Bühne kriegen, sozusagen als Weihnachtsgeschenk.


Grüße
Stefan

Dienstag, 3. November 2015

Steckbrief Apfelbaumrinde

Apfel

Malus domestica

Gattung: Kernobstgewächse
Familie: Rosengewächse

 

Beschreibung: 

Die Arten der Gattung Äpfel (Malus) sind sommergrüne Bäume oder Sträucher. Sie sind meist unbewehrt. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind gestielt. Die einfache Blattspreite ist oval bis eiförmig oder elliptisch. Die Blattränder sind meist gesägt, selten glatt und manchmal gelappt. Einige Arten bzw. Sorten werden wegen ihres purpurnen Laubes im Herbst geschätzt. Nebenblätter sind vorhanden, verwelken aber oft früh.(Quelle: Wikipedia.de)

Vorkommen und Standort: 
Apfelbäume werden in gemäßigten Breiten zur Gewinnung von Nahrungsmitteln oder zur Zierde angepflanzt. Für die Nahrungsmittelgewinnung in gößeren Plantagen oder in biologisch wertvollen Streuobstwiesen. Sie sind aber in fast allen Hausgärten vertreten, so auch die hier verwendeten Exemplare.
Verwendung:
Zum Anbau von Früchten, die wiederum zum Frischverzehr, als Lagerapfel oder in verarbeiteter Form konserviert werden können.

Verwendete Teile: 

Zum Färben wird die Rinde der Äste verwendet, der Farbstoff befindet sich in der Bastschicht.
Ich habe die Rinde im Frühjahr während des Baumschnitts geerntet und getrocknet.

Inhaltsstoffe: 

Die Farbstoffe in Apfelbaumrinde gehören zu den Flavonoiden. 

Färberezept(e):   

Vorüberlegungen: 

Ich habe bereits letztes Jahr mit Apfelbaumrinde gefärbt, diese habe ich gleich frisch verwendet. Diese Färbung war nach dem Rezept von Frau Fischer. In diesem Frühjahr habe ich die verschiedenen Fermentationen ausprobiert: zum Einen die verschiedenen Beiz- Fermentationen und auch die verschiedenen Färbemethoden, das Tauchen und trocknen als auch das Kochen in der Fermentationsflüssigkeit. Danach habe ich die Färbungen für einige Zeit dem Licht ausgesetzt, um auch eine Aussage über die Lichtechtheit zu gewinnen, sowohl im Bezug auf die Beizen als auch auf das Färbeverfahren.
Entschieden habe ich mich für 2 verschiedene Beizverfahren. In beiden Fällen habe ich mich schlussendlich zum Kochen in der Flüssigkeit entschieden.

Rezept 1: Nach Dorothea Fischer 

Vorbeize 14% Alaun, 1h gekocht, anschließend gespült.
Färbung mit 100% trockenen Rinden.
Die Rinde 2 Tage einweichen, 3h auskochen, abseihen und Rinde in Färbebeutel einbinden.
die Wolle des 1. Zug ohne Färbebeutel 1h kochen, den 2. Zug mit Färbebeutel ebenfalls 1h kochen, den 3. Zug mit frischem Färbebeutel 1h kochen, diesen kann man mit 3% Eisensulfat oder Eisenwasser zu moosgrün nuancieren.

Färbevorgang: 

Die Rinde habe ich knapp 2 Tage in Regenwasser eingeweicht. Sie begann schon zu fermentieren, es bildeten sich aufsteigende Gasbläschen. Die Rinde samt Einweichwasser kochte ich zwei Stunden.
Bei der Färbung wollte ich zwischen den einzelnen Zügen deutliche Unterschiede erzielen, deutlicher als ich das bei der Färbung letztes Jahr erreicht habe.
Deshalb habe ich den 1. Zug zusammen mit den Rindenteilen gefärbt. Ich habe auf das Einbinden der Rinde verzichtet, da ich bisher mit der Verwendung eines Färbebeutels immer fleckige Ergebnisse erzielt habe. Bei Rinde kann ich eine Kontaktfärbung machen, da sich die Rinden wieder herausschütteln bzw. herauslesen lassen.
Deshalb habe ich die Wolle mit den Rinden in den Topf geschichtet und für eine Stunde geköchelt und einige Stunden im Topf abkühlen lassen. Für den 2. Zug habe ich den Sud abgeseiht und die Wolle, ohne Rinden, ebenfalls eine Stunde gesiedet, anschließend über Nacht abgekühlt.
Ein 3. Zug ist möglich, damit habe ich eine nicht so geglückte Färbung überfärbt.

Die Wolle habe ich dann gewaschen und gespült, im letzten Spülgang mit einem Schuss Essigessenz verwöhnt.

Färbeergebnis:


Rezept 2: 

Beizen nach einer alten anatolischen Methode

ich habe dazu ja bereits im Frühjahr herumexperimentiert und die Ergebnissen hier zusammngefasst.
Auch die Lichtechtheit habe ich geprüft. Aufgrund dieser Ergebnisse, die ich genau so auch mit Apfelrinde erzielte, entschloss ich mich, die Wolle für den zweiten Teil meiner Färbungen mit fermentierendem Hirsemehl durchzuführen.

Gebeizt habe ich für diese Färbung mit 200% gärendem Hirsemehl. Die Gärung habe ich schrittweise in Gang gebracht, indem ich zuerst 50% des Trockengewichts der Wolle an Hirsemehl (175g) in Wasser aufgekocht habe und nach dem Abkühlen ein wenig Sauerteig zugesetzt. (Ich habe 5g  Roggensauerteig verwendet, den habe ich eh immer im Kühlschrank, aber auch flüssiger Sauerteig, wie es ihn zu kaufen gibt, ist geeignet.) Der Sauerteig sorgt dafür, dass die Gärung schneller in Gang kommt, kann aber auch weg bleiben. Nach 2 Tagen habe ich nochmals 50%= 175g Mehl aufgekocht, zu dem ersten Mehlbrei, der bereits blubberte, gegeben, ausreichend Wasser zugegeben und die Wollstränge eingelegt. Nach nochmals 2 Tagen habe ich nochmal 100%= 350g Hirsemehl genauso gekocht und abgekühlt zu der Wolle gegeben. Während der Fermentation fällt der pH- Wert auf 4.

Nach 14 Tagen habe ich die Hälfte für die weitere Färbung entnommen und seeehhhr gründlich gespült.

Fermentationsfärbung mittels kaltem Tauchen nach shades of lynx 

Diese Färbungen werden meiner bescheidenen Erfahrungen her immer relativ pastellig, egal wie ich die Wolle vorbereitet habe. Im genannten Blog wird gar nicht gebeizt. Letztlich war mir diese Färbung zu blass, um euch damit beeindrucken zu können und ich habe sie anschließend überfärbt.
Ich bin schon vor einiger Zeit auf diese spannende Färbemethode gekommen.
Die Basis bildet hier, dass sich andere Farben durch die Fermentation der Färbedrogen erzielen lassen. Ich habe damit dieses Jahr schon einiges ausprobiert, mal mehr, mal weniger erfolgreich.
Dazu werden die natürlichen Hefen, die sich überall und auch auf den Pflanzenteilen befinden zur Hilfe genommen. Die Farbdrogen werden mind. 14 Tage fermentiert. Die dabei entstehenden Gase müssen entweichen können. Man kann einen Behälter mit Gärröhrchen oder Gärglocke verwenden, durch den die entstehenden Gase entweichen können. Oder man nimmt einen verschließbaren Behälter und lässt die Gase 1x täglich manuell entweichen. (Schüttel und Zisch...) Ich habe den Kunststoffbehälter noch etwas zusammengedrückt, so dass für die Gase mehr Platz ist.
links die saure Lösung, so wie sie beim Fermentieren entstand,
rechts die mit Pottasche versetzte Lösung

Daraus werden 2 Färbelösungen hergestellt. ein Teil der Lösung bleibt so wie sie ist, durch die Fermentation fällt der pH- Wert auf 4, die andere Lösung wird auf einen pH- Wert von ca. 9-10, dazu habe ich Pottaschelösung verwendet. Dabei verändert sich die Farbe, wie man hier an den Proben gut sehen kann.






Färbevorgang:

Die Wolle wird für ca. 12 h in die saure Färbelösung gegeben, herausgenommen und getrocknet. danach kommt sie für 30 min in die basische Lösung, auch danach wird sie wieder getrocknet.
Die Wolle nach dem 4-maligen Tauchfärben
 etwas blass, nicht?
Nach jedem Bad muss der pH-Wert der Lösungen geprüft und neu eingestellt. Das Ganze habe ich 4x durchgeführt.
Dei Wolle sah danach ganz gut aus, sie hatte ein pastelliges Orange angenommen. Während des letzten Trocknens habe ich die Farbflotten weiterverwendet.
Leider konzentrierte sich die Farben beim letzten Trocknen am unteren Ende der Stränge. Das ließ sich auch nicht beim Waschen entfernen, das hat mich so geärgert und gestört, dass ich euch die Wolle so nicht zumuten wollte. Das ist mir bei meinen bisherigen Proben noch nicht passiert.

Färbung 1. Zug:

Bei meinen bisherigen Tests ist mir schon aufgefallen, dass die Farbe heiß gefärbt wesentlich intensiver wird, deshalb habe ich einen Zug heiß gefärbt. dazu habe ich beide Flotten der Tauchfärbungen zusammengeschüttet (pH- Wert 5), die Rinden dazugegeben, genauso die (nun 20 Tage) fermentierte und gespülte Wolle und habe das ganze eine Stunde gekocht und über Nacht abkühlen lassen.

Färbung 2. Zug:

Ich habe die Wolle der nicht zufriedenstellenden Tauchfärbung nochmals gefärbt, mit der Flotte der 1. Zuges, allerdings ohne Rindenteile. Und auch das habe ich wieder eine Stunde gekocht.

Die Wolle habe ich dann gewaschen und gespült, im letzten Spülgang kam ein Schuss Essigessenz dazu.

Färbeergebnis:


Ich habe an alle Stränge noch ein kleines Stück Wolle nach dem Beizen angebunden, so dass jeder ein ungebeiztes Pröbchen erhält:
Hier sind die ungebeizten Abbindegarne gut zu erkennen

Bezugsquellen:  

Apfelbaumrinde kann man in einschlägigen Internetshops kaufen. Aber wenn man einen Apfelbaum und dessen Pflegekraft kennt, ist es auch einfach und weniger mühsam als man denkt, die Rinde mit einem Sparschäler vom Holz zu trennen und zu trocknen. Ich habe auch schon gelesen, dass die geschredderten Zweige zum Färben verwendet wurden. Dann würde ich mich nur nicht so genau auf die Prozentangaben verlassen, da dann das nichtfärbende Holz auch Masse hat.

So, die Stränge sind etikettiert, liegen hier und warten auf bunte Geschwister! 

Viele Grüße!
Katja

Sonntag, 11. Oktober 2015

Hallo zusammen,

für mich ist die Pflanzenfärberei dieses Jahr weitgehend abgeschlossen.
Mir hat es sehr viel Spass gemacht, ich hab wahnsinnig viel gelernt.

Stefan, soll ich dir die Wolle schon schicken oder möchtest du sie lieber erst Ende Jahr, wenn alle fertig sind mit färben?

liebe Grüsse an alle
Sandra

Sonntag, 4. Oktober 2015

Riesenschachtelhalm

Der Riesenschachtelhalm (Equisetum telmateia) ist die grösste unserer einheimischen Schachtelhalmarten und somit nicht zu verwechseln. Er wächst im Wald (und bildet selber kleine Wäldchen); wird in der Regel bis 1.5 Meter hoch und mag nasse Füsse (darauf deutet auch sein Name hin: telematiaios bedeutet laut Wikipedia "Morast" auf griechisch). Gummistiefel können daher beim sammeln von Vorteil sein. 

Mir gefällt seine Symmetrie, er wächst sehr gleichmässig. Vorsicht beim pflücken; die Halme stützen sich gegenseitig und wenn ihr unvorsichtig seid, stürzen viele mehr ein, als sein muss. Allerlei kleine Spinnen und Käfer lieben den Riesenschachtelhalm als zu Hause, also besser abschütteln beim einpacken, sonst krabbelts nachher in der Wohnung...



Das Färben war ein ziemliches Abenteuer, weil ich ja schon einmal rot mit Riesenschachtelhalm gefärbt hatte, aber nicht wusste, von was es abhängt.

Ein Teil des Rätsels habe ich so entschlüsselt:
Riesenschachtelhalm färbt frisch einen rotbrauen Farbton, der aber stark variieren kann.
Wenn die frische Brühe zu lange (länger als eine Stunde) kocht oder auch nur steht (länger als über Nacht), verschwindet die rote Farbe und sie färbt nur noch gelb. Warum kann ich euch leider nicht sagen.


Getrockneter Riesenschachtelhalm färbt immer gelb.

Interessanterweise steht bei E. Prinz, dass er genau umgekehrt färbt: also gelb mit frischem Schachtelhalm und rot mit getrocknetem. Ein Druckfehler bei ihm oder ich liege falsch mit meiner Schlussfolgerung. 


Riesenschachtelhalm bleibt auch getrocknet sehr voluminös. Ich habe nicht mehr als die angegebenen Mengen in einen 10 Liter Topf hineingebracht. 
Schachtelhalm schwimmt beim kochen obenauf. Vorsicht, er hebt den Deckel! Vorsicht auch beim herunterdrücken, das Wasser schäumt dann über....

1. Färbung:
Gebeizt habe ich die Wolle mit 16% Alaun.
Trockengewicht der Wolle: 300 Gramm.
Gefärbt habe ich mit knapp 300 Gramm (also 100%)getrocknetem Riesenschachtelhalm, den ich zuvor über Nacht eingeweicht hatte. Ausgekocht 4 Stunden nach Dorothea Fischer.
Nach dem abkühlen habe ich die Wolle 1 Stunde gekocht und im Farbbad auskühlen lassen.

Das Ergebnis ist ein helles Gelb, das schnell zu Hellbeige verblasst.



2. Färbung:
Auch hier habe ich die Wolle wieder mit 16% Alaun gebeizt.
Trockengewicht auch hier: 300 Gramm.
Gefärbt habe ich diesmal mit gut 800 Gramm Riesenschachtelhalm. Das sind zwischen 200 und 300 %, aber diesmal mit frischem Riesenschachtelhalm.
Ich habe ihn eine Stunde gekocht und auskühlen lassen.
Dann habe ich die Wolle 1 Stunde darin gekocht. Dazwischen sind ca. 10 Stunden gelegen; über Nacht.

Das Ergebnis ist ein rötliches Braun.



Andere Versuche:
Ich habe letztes Jahr mit 3-4 Stängeln Riesenschachtelhalm ca. 30 Gramm Wolle teilweise gefärbt (dip-dye) und dabei einen Altrosa Farbton erhalten.
Die Wolle war ungebeizt, ich habe sie vorher in Wasser mit Weissweinessig eingelegt gehabt.



Beim experimentieren habe ich 50 Gramm Wolle (mit 16% Alaun gebeizt) mit ca. 800 Gramm frischem Riesenschachtelhalm gefärbt. Der Farbton war nur um wenig kräftiger als wenn ich 300 Gramm Wolle gefärbt habe.

Generell glaube ich, dass der Riesenschachtelhalm sehr schwach färbt und eher pastellige Töne hervorbringt.
Schon in den ersten Tagen verblassen die Farben enorm (ohne Zusatz von Licht). Nach einigen Wochen scheinen sie stabil zu bleiben.

Ich habe auch noch mit einem anderen Schachtelhalm gefärbt, den ich für den Wiesen-Schachtelhalm (Equisetum pratense) halte. 100 %ig sicher bin ich nicht, aber es ist definitiv kein Acker-Schachtelhalm.
140 Gramm getrocknetes Kraut gaben auf 50 Gramm Wolle (Beize:16% Alaun) einen moosigen Grün-Ton.


Der Schachtelhalm scheint auf den ersten Blick nicht zu den grossen Farbträgern zu gehören, aber ich finde ihn interessant, weil er nicht so leicht zu verstehen ist.

Liebe Grüsse,
eure Fawkes